Wie du deine Eifersucht loslassen kannst

In diesem Artikel geht es um Eifersucht und wie du es schaffen kannst, sie loszulassen, inneren Frieden zu finden und gesunde Beziehungen zu führen. An dieser Stelle ist es mir ganz wichtig zu betonen, dass das kein oberflächlicher „5 Tipps gegen Eifersucht“-Artikel ist. Ich erkläre, wie Eifersucht überhaupt entsteht, wie du damit gesund umgehen kannst und wie du dir eine schönere Beziehung beziehungsweise inneren Frieden ermöglichen kannst.

Eifersucht ist eine Energie

Zunächst einmal möchte ich darauf eingehen, was Eifersucht überhaupt ist und wodurch sie entstehen kann. Eifersucht ist, vereinfacht gesagt, erst einmal eine Emotion, eine Energie in unserem Körper. Emotionen sind Energie in Bewegung, sprich Eifersucht ist eine Energie, die du in deinem Körper spüren kannst. Doch wozu und aus welchem Grund wird sie in unserem Körper überhaupt erzeugt?

In deinem Gehirn existiert eine unglaublich große Anzahl an Verknüpfungen, von denen die meisten bereits in der frühesten Kindheit entstanden sind. Weil es in deinem System nun bestimmte Verknüpfungen gibt bzw. die daraus entstandenen Bedürfnisse oder Ängste, kann die Emotion Eifersucht durch sogenannte Triggersituationen erzeugt werden.

Vielleicht hast du einen Partner, der sich auf eine bestimmte Art und Weise verhält, möglicherweise mit einer anderen Frau spricht. Deine Partnerin verhält sich in deinen Augen komisch oder du hast vielleicht das Gefühl, dass dein/e Partner/in Geheimnisse hat. All das löst in dir diese Energie der Eifersucht aus. Sie entsteht aus Bedürfnissen oder Ängsten in dir. Diese können ganz individuell sein: das Bedürfnis, geliebt zu werden, angenommen zu werden, das Bedürfnis nach Intimität, nach Sexualität und das Bedürfnis, mit einem anderen Menschen zu leben.

Eifersucht aus Angst

Eifersucht kann auch auf Ängsten basieren, wie der Angst, den anderen zu verlieren, verlassen zu werden, nicht genug zu sein, etc. Viele Menschen haben innere Überzeugungen, dass sie selbst nicht genug sind und können sich selbst keine Liebe und Geborgenheit geben. Ihnen fehlt Selbstsicherheit und sie sind überzeugt, einen Partner zu brauchen, um sich sicher zu fühlen. Das können auch begründete Ängste sein, wenn man z. B. finanziell vom Partner abhängig ist und Angst hat, diese Sicherheit zu verlieren.

Es ist auf jeden Fall sehr wichtig zu verstehen, dass dein System diese Emotion, diese Energie erzeugt, weil dahinter ein Bedürfnis oder eine Angst steht. Das bedeutet, dein Organismus schüttet Energie aus, damit du an dieser Stelle ins Handeln kommen kannst.

Das sind im Grunde genommen erst einmal die wichtigsten Informationen zum Gefühl der Eifersucht und wie sie entsteht. Sie hat also in den meisten Fällen etwas mit DIR zu tun und nicht mit dem anderen. Das ist der erste wichtige Schritt, um zu verstehen, wie wir lernen können, gesund mit dieser Emotion umzugehen.

Wenn wir Eifersucht empfinden, richten wir dieses Gefühl sofort nach Außen, weil wir meinen, dass die Ursache dort, sprich in der anderen Person liegt. Oft kommt es im Alltag dadurch zum Streit und als Konsequenz zu weiteren unangenehmen Gefühlen.

Wann entsteht der Grundstein für Eifersucht?

Es  gibt verschiedene Studien, die zeigen konnten, dass bereits Babys ab dem fünften bis siebten Lebensmonats Eifersucht empfinden können. Das kann Eifersucht gegenüber dem Geschwisterchen oder gegenüber anderen Menschen sein. Sie fühlen sich unwohl und schreien. Man konnte neurowissenschaftlich messen, dass der Bereich des Gehirns, in dem das Gefühl der Eifersucht entsteht, aktiviert ist.

In diesem Entwicklungsstadium hat diese Reaktion natürlich ihre Berechtigung: Das Kind ist komplett von der Mutter abhängig und auf sie angewiesen. Die Mutter erfüllt die Bedürfnisse nach Nähe, Liebe, Geborgenheit und Nahrung, die sich ein Baby natürlich nicht selbst erfüllen kann. Die Reaktion der Eifersucht ist also ein Programm, um Aufmerksamkeit zu bekommen, um die Bezugsperson dazu zu bringen, die Bedürfnisse des Babys zu befriedigen.

Und genau in dieser Phase entstehen oft die ersten kleinen oder großen emotionalen Verletzungen, wenn diese Bedürfnisse nicht (ausreichend) befriedigt werden. Hier werden hauptsächlich die Strukturen oder eben Muster angelegt, die sich später im Erwachsenenalter wieder äußern können.

Vielleicht hast du auch in deiner vergangenen Beziehungen Verletzungen erlebt, vielleicht wurdest du verlassen oder betrogen, vielleicht hast du andere schwierige Erlebnisse durchgemacht und bist dadurch geprägt. Wenn dann ein neuer Partner ein ähnliches Verhalten an den Tag legt, aktiviert das das alte Gefühl der Eifersucht oft wieder.

Verurteile dich nicht selbst wegen deiner Eifersucht

Eifersucht muss auch nicht, wie erwähnt, auf einer Angst basieren, sondern kann durch Selbstzweifel oder mangelnde Selbstliebe entstehen. Doch egal aus welchem Grund sie da ist, wir dürfen wir uns, wenn wir eifersüchtig oder sogar stark eifersüchtig sind, erst einmal nicht dafür verurteilen. Du kannst im Grunde genommen nichts dafür, aber du kannst etwas dagegen tun. Schritt 1 ist, zu verstehen „Ja es hat etwas mit mir zu tun, aber ich muss mich dafür nicht verurteilen“

Die meisten Beziehungen in unserer Gesellschaft sind, wie ich sie immer gerne nenne, Bedürfnis-Befriedigungs-Beziehungen. Das heißt, wir haben gewisse Bedürfnisse, die wir selbst nicht befriedigen können, wie z. B. nach Sicherheit, nach Liebe nach Intimität (ok, Intimität ist alleine wirklich schwierig). Aus diesem Grund suchen wir uns andere Menschen, die diese Bedürfnisse befriedigen sollen. Der andere hat natürlich auch gewisse Bedürfnisse, die er wiederum befriedigt bekommen möchte.

Am Anfang einer Beziehung gestaltet sich das noch relativ einfach, weil natürlich auch noch ein gewisser Hormon-Cocktail, also dieses Schmetterling- im-Bauch-Gefühl da ist. In dieser ersten Verliebtheit tun wir natürlich alles, damit es dem anderen gut geht und die Beziehung harmonisch verläuft. Im Laufe der Monate oder Jahre schleicht sich dann der Alltag ein. Der Beruf, vielleicht Kinder oder andere Herausforderungen für eine Beziehung. Wir wollen und schaffen es auch gar nicht mehr, die Bedürfnisse des anderen zu erfüllen.

Und dann geht es los mit den Streitereien. Wir streiten und wissen gar nicht so wirklich, warum. In den meisten Fällen liegt es einfach daran, dass der Partner nicht mehr das befriedigt, was er früher befriedigt hat. An dieser Stelle kannst du dir ja mal die Frage stellen, was dir dein/e Partner/in gibt, das du dir selbst nicht geben kannst? Welche Ängste kommen auf, wenn du dir vorstellst, dass er/sie nicht mehr da wäre?

Eifersucht als Chance

Und jetzt kommen wir auch schon zum praktischen Teil, und zwar was du tun kannst, wenn du das Gefühl der Eifersucht spürst, wenn du fühlst, wie diese Energie in deinem Körper aufsteigt. Die meisten Menschen reagieren darauf ganz unreflektiert, kämpfen dagegen an oder lassen ihre Emotionen ganz ungefiltert heraus und schaffen so ungewollt Leid und Stress und Streit. Genau das, was sie eigentlich nicht möchten. Der allererste Schritt, wenn wir merken, dass diese Energie in unserem Körper hochkommt, ist, dass wir sie annehmen. Wir erlauben ihr ganz bewusst, da zu sein. Das erfordert natürlich Übung, wird aber von Mal zu Mal leichter.

Hier ist ebenfalls wichtig, dass wir diese Energie nicht „groß werden lassen“, sprich, dass wir nicht anfangen, aus dieser starken Emotion Gedanken zu formen. Das klingt möglicherweise etwas kompliziert, aber aus Emotionen werden nun einmal Gedanken, Gedanken erzeugen wiederum Emotionen und somit kann man sich sehr schnell in „Weltuntergangs-Szenarien“ hineinsteigern: „Oh Gott, er/sie wird mich betrügen“, „Er/sie spricht mit jemand anderem“, „Ich bin nicht gut genug“ etc. Wenn dieses Gedankenkarussell einmal losgegangen ist, wird es schwierig, die eigenen Gedanken und Emotionen zu beruhigen.

An dieser Stelle ist es wirklich wichtig zu lernen, gesund mit deinen Gedanken umzugehen. Das bedeutet, erst einmal bewusst wahrzunehmen, dass diese Gefühle hochkommen und sie dann anzunehmen, anstatt einfach darauf zu reagieren. Wir nutzen dieses Gefühl der Eifersucht an diesem Punkt, um tiefer zu blicken, um zu erkennen „was hat das mit mir zu tun?“,  „welches Bedürfnis möchte gerade befriedigt werden?“ oder „welche Angst habe ich da, habe ich Selbstzweifel, kann ich mich selbst nicht lieben, bin ich unsicher?“

Und im nächsten Schritt dürfen wir lernen, uns das, was uns fehlt, selbst zu geben. Wir können unseren Selbstwert stärken, uns selbst mehr lieben lernen und die Emotion der Eifersucht nutzen, um persönlich zu wachsen. An dieser Stelle lohnt es sich oft, sich auch einmal mit seinem Inneren Kind zu befassen.

Eifersucht als Aufgabe

Wir dürfen lernen, dass das Leben für uns da ist. Dass die Dinge, die uns in unserem Leben widerfahren, einen Grund haben und es zu unseren Aufgaben hier zählt, diese alten Verletzungen zu heilen. Wenn du die Gründe für deine negativen Erfahrungen weiterhin im Außen suchst und dort lösen willst oder auf Lösungen oder „bessere Zeiten“ wartest, wird dir vermutlich immer wieder das gleiche passieren, du wirst immer wieder ähnliche Probleme in deinen Beziehungen haben, die gleichen Streitthemen haben und du wirst immer wieder mit Eifersucht zu kämpfen haben und darunter leiden.

Wenn Eifersucht dein Thema ist, finde heraus, was das mit dir zu tun hat und an welcher Stelle du noch auf alte Verletzungen und unbefriedigte Bedürfnisse reagierst und wie du dir selbst mehr davon erfüllen kannst.

An dieser Stelle ist es mir sehr wichtig zu erwähnen, dass das Ziel nicht ist, dass wir komplett heil und glückselig mit uns selbst sind und keinen anderen Menschen mehr brauchen. Darum geht es nicht. Zwischenmenschliche Beziehungen sind etwas wundervolles. Es sind Verbindungen, in denen wir uns gegenseitig erfahren können, Ekstase und Schönheit erleben können. Das können wir allerdings erst richtig leben, wenn wir uns selbst annehmen können, so wie wir sind. Unser Ziel ist es, uns Stück für Stück selbst zu heilen und zu stärken.

Dafür müssen wir nicht alleine sein und uns monatelang zurückziehen. Wir können uns auch gemeinsam mit dem Partner auf diese Reise machen, darüber reden und uns gegenseitig unterstützen. Oft kann es hilfreich sein, mit dem Partner über die Eifersuchtsgefühle offen zu sprechen, die Sorgen und Gedanken mitzuteilen.

Begründete Eifersucht

Und ja, es kann auch sein, dass dein Partner wirklich gerade etwas macht, das nicht in Ordnung ist und deine Gefühle durchaus berechtig sind. Aber auch hier ist es genau so wichtig, dass du mit dir selbst im Reinen bist und lernst, auf deine Bedürfnisse zu achten und sie dir selbst zu erfüllen und es dir vor allem selbst wert zu sein, eine schöne Beziehung zu haben. Denn dann kannst du eine solche Beziehungen auch in Frieden beenden und nicht mit dem Gefühl aus der Sache herausgehen, dass dir so etwas ständig passiert oder du vielleicht nicht gut genug für den anderen warst etc.

Insofern ist also auch ein negatives Erlebnis immer eine Chance, auf die alten Verletzungen zu blicken und Wege zu finden, sie zu heilen und gestärkt aus der Sache herauszugehen und somit eine Basis für etwas gesundes Neues zu schaffen.

Ich hatte in meinem Leben auch ein paar sogenannte Wachstums-Beziehungen und ich bin im Nachhinein dankbar dafür! Dankbar, dass ich durch sie wachsen konnte, weil ich gelernt habe, meine Bedürfnisse zu erkennen und sie mehr und mehr selbst zu befriedigen, indem ich mich immer mehr selbst lieben gelernt habe, mich als wertvoll erachten kann und dadurch heute eine harmonische Beziehung führen kann.

Gesunde Beziehungen sind die, in denen wir uns gegenseitig in unseren Visionen unterstützen, wirklich tiefe Intimität und Liebe erfahren. In Partnerschaften können wir uns gegenseitig erkennen, aneinander wachsen und uns entwickeln und wenn du gerade diese Gefühle der Eifersucht in deinem Leben hast, lerne daran zu wachsen. Denn dieses tiefer Blicken ist eine unserer bedeutendsten Fähigkeiten als Mensch. So viel Leid auf der Welt ist daraus entstanden, dass Menschen nicht wissen, wie sie mit ihren Gefühlen umgehen können. Die meisten suchen nach wie vor die Lösung durch Konflikte und Kampf im Außen, anstatt ihr Innerstes zu hinterfragen.

Wenn du dich innerlich selbst heilst, hat das nicht nur Auswirkungen auf deine Partnerschaft, sondern auf jeden Lebensbereich. Du wirst zum sozusagen zum Vorbild für andere Menschen, zu einer Person, die kein weiteres Leid erzeugt. Ein schöner Gedanke, nicht wahr? Ich möchte mich dafür bedanken, dass du diesen Weg einschlägst, auch und gerade weil er nicht immer leicht ist.


Lass uns zusammen ein Leben erschaffen, das wirklich rockt:


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