Depression, Angst, Burnout & Co. – Der gemeinsame Nenner ist Stress!

Stress




Stress – heutzutage die wohl häufigste Krankheit der Bevölkerung. Es gehört fast schon zur Routine: morgens aufstehen, sich schnell einen Kaffee runterwürgen, vielleicht noch schnell duschen, die Kinder in die Schule bringen, auf dem Weg zur Arbeit schnell was beim Bäcker kaufen, dann folgt ein Termin nach dem anderen.

Bis man sich versieht, ist Feierabend. Es wird noch für die Kinder gekocht und schließlich fällt man völlig fertig ins Bett. Und täglich grüßt das Murmeltier: am nächsten Tag geht’s wieder genauso weiter!

Aber jetzt frage dich mal: ist dir die Baustelle an der Kreuzung vor deiner Arbeit aufgefallen? Hast du mitgekriegt, dass die Bäckereifachverkäuferin einen neuen Haarschnitt hat? Wie viele grüne Ampeln hast du auf dem Heimweg passiert? Die meisten wissen auf solche Fragen keine Antwort.

Der Grund dafür ist, dass wir nur noch im Autopilot leben und verlernt haben, jeden Moment aufmerksam und achtsam zu erleben. Egal was wir tun, unsere Gedanken sind schon beim nächsten Termin, bei all den Aufgaben, die noch zu erledigen sind und bei der Frage, wie viel Urlaub wir uns denn bei dem Berg an Arbeit überhaupt leisten können.


Was ist Stress und wie entsteht er?

Grundsätzlich kann man Stress als einen mentalen Zustand der Belastung beschreiben, der eine Folge von herausfordernden oder ungünstigen Situationen ist. Man kann ihn als Gefühl der Überforderung oder Überlastung bezeichnen.

In seiner Natur ist Stress eigentlich eine Reaktion deines Gehirns auf Gefahr. Dies kann sich sowohl physiologisch (schneller Herzschlag, Schweißausbrüche, Zittern), als auch psychologisch (Panik, Unruhe, Gereiztheit) äußern.

In Folge von Stress werden Hormone wie Adrenalin und Cortisol ausgeschüttet, die uns eigentlich für die eigene Verteidigung wappnen sollen.

Wenn wir jedoch unter Dauerstress stehen, werden diese Hormone auch ständig ausgeschüttet – und unser Körper kann nicht mehr zur Ruhe kommen.*


Stress ist „eine der größten Gefahren des 21. Jahrhunderts“ – das sagt sogar die Weltgesundheitsorganisation


Die Stress-Ampel

Beim Stressempfinden kommen verschiedene Faktoren zum Tragen.

Zum einen sind das Stressoren: das sind die Situationen, welche den Stress hervorrufen. Das können Zeitdruck, eine große Menge an Arbeit oder hoher Leistungsdruck sein.

Eine Rolle spielen ebenfalls die individuellen Motive und Einstellungen eines Menschen, welche stressverstärkend wirken können: Dazu zählen Ungeduld, Perfektionismus oder hohe Erwartungen an dich selbst.

Aus diesem ganz unterschiedlich ausfallenden Zusammenspiel aus Stressoren und Stressverstärkern, je nach Mensch und seinen Eigenschaften und Voraussetzungen bzw. Ressourcen, entstehen dann entsprechende Stressreaktionen, also die oben beschriebenen psychischen und physischen Auswirkungen.*


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Herausforderungen werden dir in den unterschiedlichsten Lebenslagen begegnen. Doch ob wir herausfordernde Situationen dann als stressig empfinden, hängt ganz von uns selbst ab!

Wir machen uns den Stress selbst. Der Grund dafür ist wirklich wichtig zu verstehen:


Wir schaffen uns Stress, indem wir empfänglich sind für Wettbewerb und Konkurrenz, für Druck von oben und den Wunsch, bestimmten Erwartungen zu entsprechen.


Was genau verursacht denn jetzt den Stress?

Ein großes Problem unserer Gesellschaft ist die wahnsinnige Schnelllebigkeit und der Leistungsdruck. Unsere Welt befindet sich in einem ständigen Wandel – und wer mitkommen will, der muss schnell und viel leisten.

Dadurch hat man ständig das Gefühl, nicht zu genügen, einfach nicht gut genug zu sein und ständig besser werden zu müssen. Wir sind nie zufrieden mit uns selbst: ständig wollen wir noch höher hinaus, die nächste Karrierestufe erreichen. Und dieser Erwartungsdruck stresst uns.

Auch die Familie kann Stress verursachen: etwa durch die ständigen Konflikte, die der Partner und die Kinder einem bescheren. „Wann gibt es Abendessen?“ „Wieso bist du nie zuhause?“ „Kannst du mein Fahrrad reparieren?“

Du hast aber einfach keine Zeit. Denn dein Chef übt schon genug Druck auf dich aus, aber jetzt sollst du auch zuhause noch zu 100% funktionieren. Deine innere Anspannung steigt an.

Eines Tages erhältst du im Büro einen Anruf von einer dir unbekannten Nummer: deine Mutter hat einen Herzinfarkt erlitten und ist verstorben. Und jetzt passiert es, jetzt läuft das Fass über: du brichst zusammen.

All die Last, all der Druck und all die Anspannung stürzen auf dich ein. Dein Körper hat viel ertragen, du hast ihn lange strapaziert – doch auch er hat klare Grenzen und muss sich irgendwie helfen.


Fun Fact: Laut Hospital Corporation of America (HCA) ist der Nr.1 Stressor eine bevorstehende Hochzeit! Der Tod eines geliebten Menschen landet dort nur auf Platz 3.

Es bleibt leider nicht beim Stress…

Du ahnst vielleicht, worauf ich hinaus will. Langzeitstress wirkt sich auf Dauer extrem negativ auf uns aus: Die Folgen von Dauerstress sind psychische Erkrankungen wie das Burnout-Syndrom, Depressionen oder Angststörungen.

Tatsächlich wird unter Wissenschaftlern sogar von einer „Volkskrankheit Stressdepression“ gesprochen, die laut WHO bereits im kommenden Jahr die häufigste Krankheit weltweit sein wird (neben Herz-Kreislauf-Erkrankungen)**.

Auch das Burnout-Syndrom gehört zu den häufigsten Folgen von chronischem Stress. Betroffene fühlen sich ausgebrannt, erschöpft und leer; sie sehen nicht länger einen Sinn und Nutzen in ihrer Arbeit, verlieren den Glauben an sich selbst und depersonalisieren. Das bedeutet, sie verlieren die persönliche Wertschätzung sich selbst und anderen gegenüber.

Selbstverständlich hat Langzeitstress auch körperliche Folgen: Die erhöhte Cortisol-Produktion wirkt sich auf unser Hormonsystem aus. Vereinfacht gesagt, stellt der Körper Energie bereit, die wir dann aber nicht verbrauchen und die dann als Fettreserve gespeichert wird.

Schließlich flüchten wir nicht vor einem Säbelzahntiger, sondern haben den Stress "nur" in unserem Kopf.

Umgekehrt kennst du sicher auch Menschen, die bei Stress Gewicht verlieren. Auch, wenn das in deinen Ohren erst einmal nicht nach der schlimmsten Konsequenz klingen mag 😉 – diese Menschen verlieren dabei nicht nur Gewicht, sondern auch das Gefühl für sich selbst, was die Voraussetzung für ein gesundes Dasein ist.




„Stress ist die Würze des Lebens“

Hans Seyle, Pionier der Stressforschung

Nicht alles, was wir über Stress zu wissen glauben, ist wahr…

  1. Nicht Schicksalsschläge belasten uns am meisten, denn sie wirken nur kurzfristig; das größere Risiko bilden die Alltagsbelastungen, da sie langfristiger wirken.

  1. Nicht jeder Stress ist schlecht: es gibt auch positiven Stress! Dieser Stress entsteht, wenn wir Freude an unserer Arbeit haben, wie beispielsweise bei Sportarten, die wir gerne ausüben. Auch Liebe zählt zu positivem Stress! Er steigert unsere Aufmerksamkeit und Konzentration und setzt zusätzlich Glückshormone frei.

  2. Stress ist auch nichts, was wir einfach aus unserem Leben streichen können. Er ist unvermeidlich – denn er kann schon durch Lärm oder Gerüche ausgelöst werden. Und wie fatal wäre es, wenn wir durch den Geruch vom Rauch eines ausbrechenden Feuers nicht mit Stress reagieren und dadurch schließlich auch zur Tat schreiten würden?

  1. Es ist nicht die Menge an Aufgaben und Arbeit, die unseren Stress verursacht. Es sind vielmehr die Beziehungen, die wir fürchten, durch unsere Nicht-Leistung zu beeinträchtigen. Das bedeutet also, dass unsere Emotionen uns bei unserer Stressbewältigung im Weg stehen!


Was du gegen Stress tun kannst


Wie ich oben schon erwähnt hatte: Wir machen uns den Stress selbst, indem wir empfänglich sind für Wettbewerb und Konkurrenz, für Druck von oben und dem Wunsch, bestimmten Erwartungen zu entsprechen.


In einem ersten Schritt kannst du einmal ganz bewusst hinsehen,  in welchen Lebensbereichen sich deine Stressoren befinden.

Im zweiten Schritt beobachtest du deine Gedanken dazu: Warum empfindest du diese Situation als stressig? Hast du hohe Ansprüche an dich selbst oder eher das Gefühl, dass diese von Außen kommen?

Durch dieses Bewusstmachen erfährst du, wo du in Zukunft ansetzen darfst, um wieder in ein entspannteres Leben zu finden.

Die unterschiedlichen Möglichkeiten, Stress in deinem Leben zu reduzieren, erfährst du in verschiedenen Videos von mir und in Kürze wird es dazu auch einen weiteren Artikel geben.

Für den Anfang findest du hier ein kurzes Video, das dir als erster Notfallplan gegen Stress dienen kann:



Auch, wenn dein Leben anspruchsvoll ist, wirst du feststellen, dass du Stress reduzieren kannst. Oft ist ein großer Teil davon abhängig von deiner inneren Haltung und diese kannst du Stück für Stück trainieren.

Dafür findest du auf meinem Youtube-Kanal oder innerhalb der Achtsamkeits-Academy viel Unterstützung!



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Literaturverzeichnis

**Kaluza, Gert (2018): Gelassen und sicher im Stress. Das Stresskompetenz-Buch: Stress erkennen, verstehen, bewältigen. 7. Aufl. 2018. Berlin, Heidelberg: Springer Berlin Heidelberg. Online verfügbar unter http://dx.doi.org/10.1007/978-3-662-55986-4.

*Kaufmännische Krankenkasse Hannover; Medizinische Hochschule Hannover (2006): Stress? Ursachen, Erklärungsmodelle und präventive Ansätze. Berlin, Heidelberg: Springer Medizin Verlag Heidelberg (Weißbuch Prävention, 2005/06). Online verfügbar unter http://dx.doi.org/10.1007/3-540-32662-6.

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