Panikattacken – was tun?

Jeder fünfte Mensch erlebt mindestens einmal im Leben eine Panikattacke. Die Attacke kommt scheinbar aus dem Nichts und löst starke Angst und starke körperliche Empfindungen aus. In diesem Artikel möchte ich dir einen Weg aus den Panikattacken zeigen.

Ich hatte in meinem Leben unzählige Panikattacken und es war mir unheimlich wichtig, zu meinem Beitrag zum Thema Angst noch einmal gesondert auf Panikattacken einzugehen. Ich möchte dir damit zum einen den Ablauf einer Panikattacke näher bringen und auch nicht-Betroffene für dieses Thema sensibilisieren. Denn für jemanden, der noch nie eine Panikattacke hatte, ist es kaum nachzuvollziehen, wie unglaublich intensiv dieser Zustand ist.

Im negativen Sinne ist eine Panikattacke vermutlich die intensivste körperliche Erfahrung, die ein Mensch machen kann und für Betroffene wie Außenstehende ist es oft schwer nachvollziehbar, dass es wirklich „nur“ der Geist ist, der diese unglaublich heftigen Symptome in unserem Körper auslösen kann.

Vor kurzem sagte ein langjähriger Freund, den ich übrigens immer als sehr resilient wahrgenommen hatte, zu mir: „Ich konnte das bei dir nie verstehen und jetzt, da ich diese Erfahrung selber gemacht habe, kann ich es endlich“. Es ist tatsächlich kaum möglich, diese heftige körperliche Reaktion zu verstehen, wenn man sie nicht selbst erlebt hat.

Was ist der Auslöser von Panikattacken?

Ich hatte sehr viele Panikattacken in der stressigsten Phase meines Lebens. Ich stand beruflich sehr unter Druck und irgendwann fing mein Körper an, zu somatisieren. Ich hatte Herzstolpern, begann zu schwitzen, mein Atem ging schneller. Der Auslöser kann für jeden unterschiedlich sein, aber oft ist es Stress, Überforderung oder extreme emotionale Unausgeglichenheit.

Panikattacken sind sozusagen das Extremprogramm des Körpers. Normalerweise ist es dafür gedacht, das eigene Leben zu retten. Was dabei passiert, ist ziemlich heftig, weil es sich hierbei sozusagen um das evolutionäre „Grenzprogramm“ handelt: Kampf oder Flucht, komme was wolle. Evolutionär gesehen ist es die Angst vorm Tod, also die Reaktion auf ein Ereignis, das so extrem ist, dass es unseren Tod herbeiführen könnte. Z. B. wenn man kurz davor  steht, von einem Säbelzahntiger zerfleischt zu werden.

In derartigen Situationen hat der Körper dieses Programm gefahren, um alle Funktionen im Körper zu aktivieren, die uns noch retten könnten. Durch den erhöhten Herzschlag wird Blut in unser System gepumpt, weil der Körper damit rechnet, dass wir losrennen und flüchten müssen, das Schwitzen ist die dazugehörige Kühlreaktion, das Zittern zeigt die hohe Energie, die gerade durch den Körper fließt.

Auch heute ist dieses Programm in gefährlichen Situationen selbstverständlich sinnvoll und wichtig. Leider stehen von Panikattacken betroffene Menschen aber nicht vor einem Raubtier, sondern z. B. an der Supermarktkasse, vor anderen Menschen oder fahren Auto. Und plötzlich merken sie, wie ihr Herz schneller schlägt, fangen an zu hyperventilieren. Sie verstehen es nicht, nehmen nur die Symptome wahr, das Herzrasen, Schwitzen, Zittern, manche sind überzeugt, sie ersticken.

Das Gefühl, sterben zu müssen

Da es ja vermeintlich keinen Grund für das Herzrasen gibt, denken viele zunächst, sie bekommen einen Herzinfarkt. Wenn man das zum ersten Mal erlebt, weiß man natürlich erst einmal nicht, was los ist. Meistens landen diese Menschen dann in der Notaufnahme eines Krankenhauses, wo die Ärzte dann natürlich rein körperlich nichts feststellen werden.

Erfahrene Ärzte geben den Patienten dann den Tipp mit, dass es sich um eine Panikattacke gehandelt haben könnte, was für die meisten Betroffenen eine kurze Erleichterung sein kann. Wie auch bei mir. Dennoch war ich dreimal im Krankenhaus, weil ich so jedes Mal so starke Panik hatte, dass ich nicht mehr wusste, ob das wirklich noch eine Emotion sein kann oder ob ich tatsächlich sterben muss. Das lag nicht nur an der Heftigkeit der Symptome, sondern an dem Gedankenkarussell, das auftreten kann, nachdem man bereits (mehrfach) untersucht wurde: „Was ist, wenn die etwas übersehen haben? Es kann doch nicht sein, dass mein Geist in der Lage ist, eine so intensive, schmerzhafte Empfindung in meinem Körper auszulösen.“

Am Anfang geht man weiter zu Ärzten und irgendwann stellt sich einfach eine Angst vor der Angst ein. Wer einmal erlebt hat, wie unglaublich schrecklich sich eine solche Attacke anfühlt, möchte nie wieder an diesen Punkt kommen. Also vermeidet man Situationen, die Ängste auslösen können. Man meidet Menschenmassen, das Halten von Präsentationen. All das schränkt das Leben der Betroffenen oft deutlich ein, wie ich es auch in meinem Beitrag über Ängste beschreibe.

Mir war es sehr wichtig, noch einmal gesondert über Panik zu sprechen, um den Betroffenen zu vermitteln: „Du bist nicht alleine!“ Es gibt so viele andere Menschen, die durch diese Hölle gegangen sind und gehen. Und ich möchte noch einmal betonen, wie wichtig es ist, zu verstehen, wie eine solche Attacke abläuft und dass sie komplett von unserem Geist ausgelöst wird und die Betroffenen keine körperliche Krankheit haben. Das ist für sie wichtig zu verstehen sowie für die Menschen, die nicht direkt betroffen sind. Darüber hinaus ist es wichtig, über Panikattacken Bescheid zu wissen, weil sich die Betroffenen oft zurück ziehen. Sie haben Angst, verrückt zu sein, weil ihr Körper sie so im Stich lässt, obwohl ihnen vermeintlich nichts fehlt. Sie denken, sie dürfen diese Emotionen nicht zeigen, damit sie keiner für verrückt hält, was natürlich zusätzlich Druck auslöst. Sobald es für dieses Thema mehr Verständnis in unserer Gesellschaft gibt, können die Betroffenen auch besser aufgefangen werden.

Je mehr man gegen die Angst ankämpft, desto stärker wird sie

Der Kampf und der Versuch, Angst- und Panikgefühle zu unterdrücken, erzeugt oft noch mehr Druck und verschlimmert den Zustand üblicherweise noch. Aber ich weiß auch aus meiner Erfahrung, dass es einen Weg heraus gibt. Ich versuche alles Wissen, das ich mir im Laufe der Jahre angeeignet habe, weiterzugeben, damit es dir ein Stück weiterhilft. Aus diesem Grund habe ich mit einer klinischer Psychotherapeutin einen Kurs und  eine geführte Meditation genau zu diesem Thema entworfen.

Aber jetzt möchte ich erst einmal darauf ein gehen, was man grundsätzlich tun kann, um mit einer Panikattacke umzugehen: Du liest diesen Artikel vielleicht, weil du schon einmal eine erlebt hast oder immer wieder darunter leidest. Ich habe natürlich keine „Schnippslösung“; keine, mit der diese Problematik von jetzt auf gleich beseitig ist. Der Umgang mit Panikattacken erfordert einfach Übung.

Noch einmal zur Wiederholung: Was da passiert, ist ein evolutionäres Programm, das fälschlicherweise ausgelöst wird. Wir brauchen es nicht in Situationen, in denen wir in Wahrheit in Sicherheit sind. Zumindest können wir während einer Präsentation davon ausgehen, dass uns nicht plötzlich aus dem Hinterhalt ein Säbelzahntiger angreift 😉. Wenn unser Geist allerdings überfordert ist, kann es im Körper ausgelöst werden.

Wie gehen wir also mit Panikattacken um?

Zunächst einmal ist es ist im Moment der Attacke extrem wichtig, sich daran zu erinnern: es ist nur eine Panikattacke. Mein Körper reagiert auf meinen Geist. Es wird nichts schlimmes passieren. Vielleicht warst du bereits beim Arzt und es wurde dir bestätigt, dass du kerngesund bist. Erinnere dich in diesem Moment deutlich daran. Auch wenn es sich schlimm anfühlt. Es fühlt sich in diesem Moment zwar so an, aber es ist ok.

Sage dir: "Es ist ok und ich schaffe es, damit umzugehen“. Dafür benötigt man natürlich enorme Willenskraft, weil unser Gehirn, das normalerweise homogen durchblutet ist, in diesem Moment anders funktioniert: Während einer Panikattacke werden die tieferen Gehirnalreale durchblutet, das limbische System, das Stammhirn. Dadurch heißt es verstärkt „kämpfen und flüchten“ anstatt denken. Die Regulation unserer Gedanken/Empfindungen findet im Neokortex statt, der jetzt nicht mehr ausreichend durchblutet ist. Daher fällt es auch schwer, klar zu denken und sich selbst zu beruhigen.

Aus diesem Grund entstehen auch so schnell die Katastrophengedanken wie „Herzinfarkt“, „ich sterbe“, „ich ersticke“ etc. und es ist deshalb von so großer Wichtigkeit, mit ganzer Willenskraft dagegen anzusteuern und sich immer wieder daran zu erinnern: „Es ist eine Panikattacke, ich bin in Sicherheit“. Das hilft im ersten Moment, sich nicht noch intensiver hineinzusteigern. Denn sonst entsteht ein richtiger Teufelskreis.

Atem als Werkzeug

Die große Gefahr ist, dass dein Geist "katastrophalisiert". Egal, welche negativen Gedanken du dir ausmalst – dein Geist möchte dort hingehen. Jetzt ist es wichtig, ihn auf etwas anderes zu fokussieren. Gib ihm einen Aufgabe! Wenn gerade keine brauchbare Ablenkung möglich ist, ist die allereinfachste, zu atmen. Fokussiere dich auf die tiefe Bauchatmung. Das mag anfangs schwer fallen, weil wir im Panikmodus zur Brustatmung neigen. Weil (theoretisch) für eine Flucht schnell viel Sauerstoff benötigt wird. Wir brauchen diesen Sauerstoff nicht. Setze deine ganze Willenskraft für tiefe Bauchatmung ein. Atme bewusst ein und aus und konzentriere dich ausschließlich auf deinen Atem.

Wenn du das jetzt in einem normalen Moment praktizierst, merkst du, wie beruhigend eine tiefe Bauchatmung ist. Darum empfehle ich jedem, Meditation in sein Leben zu bringen, weil es auch das Praktizieren von entspannter Atmung ist, die wir in Angstsituationen nutzen können, um unser autonomes Nervensystem physiologisch zu beruhigen.

Was passiert weiter? Die meisten versuchen, gegen die Angst anzukämpfen, weil sie diese als Bedrohung wahrnehmen. Früher war es der Säbelzahntiger. Heute nehmen wir die Reaktion unseres Körpers als die Bedrohung wahr. Wir kämpfen gegen etwas an, das wir nicht bekämpfen können und erzeugen mehr Druck und Angst. Auch, wenn sich das anfangs unmöglich anhören mag: Lass die Angst fließen. Lass sie da sein. Fahre eine Station weiter, wenn du gerade in der Bahn sitzt. Wenn du im Auto sitzt, halte an. Setze dich hin und lasse es zu.

Es ist ein Prozess

Manche Menschen können sogar ihre Tätigkeit während einer Panikattacke fortführen, aber das ist natürlich Übungssache! Der Weg, Schritt für Schritt besser mit ihnen umzugehen ist, in der Situation innerlich weich zu werden und die Energie fließen zu lassen und nicht gegen sie anzukämpfen.

Fortgeschrittenen „Panikattacken-Besitzern“ empfehle ich, sich selbst einmal das Ausbreiten der Panik zu erlauben und ihr dann mit einem gefühlten „Hey, dann komm doch Panik, mach doch, was du willst, ist mir doch egal!“ zu begegnen. Durch dieses innerliche Erlauben zeigen wir unserem Geist, dass wir keine Angst haben. Und verlieren so schrittweise die Angst vor der Angst. Und das ist der entscheidende Punkt: Lernen, dass es nur eine Energie ist, ein falsch aktiviertes Programm, das wir wieder umprogrammieren dürfen, wenn es in den falschen Momenten auftritt.

Ja, es ist ein Prozess. Ja, Panikattacken bedeuten Leiden und Schmerz, aber je öfter du diese Schritte anwendest, desto besser wird es! Ich hoffe, du fühlst dich verstanden und durch diesen Artikel neu motiviert, deinen Panikattacken auf eine gesunde Art und Weise zu begegnen und sie Stück für Stück hinter dir zu lassen.


Lass uns zusammen ein Leben erschaffen, das wirklich rockt:


Hinterlasse einen Kommentar

avatar
  Abonnieren  
Benachrichtige mich bei